Ein Ausschnitt aus dem Buch „Der Hund“ von Erik Zimen  erschienen im Bertelsmann Verlag 1988

Zimen lebte von 1941 – 2003 , er war  Kynologe und Verhaltensforscher, seine Reisen führten ihn auch nach Afrika. In dem genannten Band geht er mehrfach auf Basenji`s ein. Im hier vorgestellten Abschnitt werden Basenji`s nicht als aktive Jagdhunde dargestellt, sondern als Begleiter der Menschen bei der Jagd.

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Frau Mona Zimen.

 

 

Der Jagdbegleiter

 

Noch einen weiteren Schritt sind die Pygmäen der zentralafrikanischen Waldregion gegangen. In Burundi, Ruanda und Ost-Zaire treffen wir erneut auf viele Hunde, diesmal recht hochbeinige schlanke und meist besser ernährte Basenjis. Die Pygmäen sind die Ureinwohner des Urwaldes. Heute sind sie weitgehend von Bantustämmen verdrängt worden. Nur wenige gehen noch ihrer traditionellen jägerischen Lebensweise nach. Viele Männer besitzen aber nach wie vor einen Hund.

 

Mit Hilfe meines Schwagers Heinrich Schlichting, der seit vielen Jahren als Entwicklungsexperte in Burundi lebt, gelingt es uns, zu einigen Jägern Kontakt aufzunehmen. Es ist nicht einfach, denn die Jagd ist in Burundi verboten. Der Wald ist auch fast überall von Ackerbauern gerodet worden. Viel Platz bleibt den Pygmäen da nicht mehr. Trotzdem versprechen sie, uns auf eine Treibjagd mitzunehmen.

 

Frühmorgens holen sie ihre langen, aus Sisal geflochtenen Netze aus den Verstecken, binden ihren Hunden kleine Glocken um den Hals, und ab geht es. Es sind vielleicht 30 Jäger dabei, jeder mit seinem Hund. Die Freude und Aufregung aller ist groß. Nur die dicht neben ihrem jeweiligen Herrn laufenden Hunde sind, verglichen mit unseren Jagdhunden in einer solchen Situation, erstaunlich ruhig. Wir folgen dem Pulk zuerst mit dem Landrover in Richtung Gebirge, später ebenfalls zu Fuß.

 

Auf einem Horn, vermutlich dem eines jungen Wasserbocks, bläst der Sohn des Jagdleiters immer wieder wilde Töne. Der Jagdleiter selbst ist ein alter Mann. Seine Hände und Füße sind von Lepra verstümmelt. Trotzdem genießt er uneingeschränkte Autorität. Nach stundenlangem, zügigem Marsch stößt man auf die Spur eines Buschbocks. Aber nicht die Hunde finden die Spur, sondern die Jäger. Sie gehen die Spur genau aus. Wie sie es machen, ist uns ein Rätsel. Wir sehen nichts, aber die zwei Jäger laufen mit großer Sicherheit, ohne ihre Hunde, einige hundert Meter der nur für sie erkennbaren Spur nach und kehren dann zu der wartenden Gruppe zurück.

 

Dann geht alles sehr schnell. Der alte Mann gibt einige Anweisungen, und die Träger der Netze laufen voraus. Während sie die Netze in einer kleinen Talsenke etwa einen Kilometer bergaufwärts aufspannen, schwärmen die Männer vorsichtig auf breiter Front aus. Sie stecken Blätter in die Glocken ihrer Hunde, damit diese kein Geräusch machen, dann wird gewartet. Die Anspannung  ist den Männern deutlich anzusehen. Die Hunde hingegen schlafen ruhig zu ihren Füßen.

 

Auf ein langgezogenes Hornsignal hin nehmen die Jäger die Blätter aus den Glocken der Hunde. Dann beginnt ein lautes Treiben, wie wir es auch bei uns kennen. Mit ihren Speeren schlagen die Treiber auf die Bäume, rufen und bahnen sich und den Hunden einen Weg durch das Dickicht. Jawohl, die Jäger gehen voran, die Hunde laufen hinterher. Wäre nicht das helle Geläut ihrer Glocken, man würde sie gar nicht wahrnehmen. Das Gebrüll der Treiber steigert sich noch mehr. Trotzdem' können sie nicht verhindern, daß der Bock ihre rechte Flanke durchbricht und seitlich am Netz vorbei entkommt. Zwei Hunde jagen kurz hinterher, geben aber bald auf.

 

Das erste Treiben war erfolglos, doch wir haben genug gesehen. Die Funktion der Hunde beschränkt sich offenbar auf den durch ihre hellen Glocken verursachten Beitrag zum ››Lärm« des Treibens. Die Jäger spüren, treiben, stellen, fangen und töten die Beute selber wie im nächsten Treiben, als sie ein Riesenwaldschwein erlegen können. Trotzdem scheint kein Jäger auf seinen Hund verzichten zu wollen. Vielleicht kommt es wirklich auch mal vor, daß die Hunde sich stärker an der Jagd beteiligen, sogar unentbehrlich dabei sind. Doch hier scheint der Hund eher zum Statussymbol des Jägers zu gehören.

 

Auf jeden Fall wird seine freundlich anhängliche Begleitung geschätzt. Die Stimmung ist ausgelassen. Die Jäger stehen zusammen, lachen und reden alle durcheinander. Viele setzen sich ins hohe Gras, jeder mit seinem Hund zu Füßen, den er ab und zu streichelt; eine fröhliche Jagdgesellschaft wie bei uns und anderswo.